PIXXEL – Der Fotografie Blog

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Von neuen Gefilden und kaltem Wasser

Marc Wegner 26. März 2011

Die Überschrift mag für den einen oder anderen etwas verwirrend wirken, ich jedoch finde sie sehr treffend.

Heute möchte ich darüber schreiben wie man neue Dinge in der Fotografie ausprobieren sollte und sich dabei von Rückschlägen nicht entmutigen lassen sollte.

In den letzten Tagen bzw. zwei Wochen erging es mir genau so, denn ich habe mich näher mit dem Thema Nachtfotografie beschäftigt. Ich wollte jedoch nicht irgendwelche Nachtaufnahmen machen, sondern inspiriert von David Kaplan (kplan.ch/) wollte ich es schaffen Landschaft bei Nacht mitsamt Sternen abzulichten. Schwieriger als gedacht wie sich später herausstellte.

Also wie beginnt man, wenn man sich in neue Gefilde traut ? Entweder man springt ins kalte Wasser und probiert einfach drauf los oder man geht das Problem etwas bedachter an und beliest sich. Natürlich wagte ich zuerst den Sprung und anfangs war es gar nicht so kalt denn mein erstes Foto fand ich zunächst gar nicht so schlecht. Ich machte eine einzelne Langzeitaufnahme. Problem dabei war, dass die Sterne schon erste Striche bildeten aufgrund der Erdrotation. Deshalb machte ich noch eine separate Aufnahme vom Sternenhimmel und bastelte danach alles in Photoshop wieder zusammen. Dieses Foto kam dabei heraus:

Ich habe die gleiche Methode auch mit anderen Motiven probiert, aber immer mit den selben Ergebnissen. Irgendwie war ich nicht zufrieden. Denn ich wollte dem Foto ein Hauch von Hyperealismus, wie es David Kaplan so treffend bezeichnet, verleihen. Mir fehlten einfach die unschiere Menge an Sterne die man mit bloßem Auge nur erahnen kann und mehr Details in der Landschaft trotz der dunkelsten Nacht. Ein recht nettes Foto, aber nicht das was ich wollte.

Deshalb musste ich nun den zweiten Weg wählen und mich belesen. Doch dieser Weg trieb mich immer mehr zur Weißglut und ließ mein Projekt fast scheitern. Je mehr ich mich belas, desto schlechter wurden meine Fotos. Erster Anhaltpunkt war natürlich Kaplan selbst. Glücklicherweise fand ich auch viele Artikel von Ihm in denen er über seine Fotos schreibt.
Ich teilte meine Arbeit in Vorder- und Hintergrund (Landschaft und Sterne). Zunächst beschäftigte ich mich mit dem Vordergrund. Kaplan macht seine Fotos mit einer Nikon D700 und einem 24mm 1.4 Objektiv. Da konnte ich natürlich nicht mithalten, aber man muss eben das nutzen was einem zur Verfügung steht (meine Pentax K7 und das Tamron 17-50 2.8) Außerdem macht er nicht nur ein Foto sondern eine Reihe gleichbelichteter Fotos die er später „Stackt“ (stapelt). Da zu diesem Zeitpunkt „Stacken“ noch ein Fremdwort für mich war, versuchte ich es stattdessen mit der HDR-Technik also eine Reihe von unter- bis überbelichteten Fotos. Zudem verwendete ich ein altes 50mm 1.4 Objektiv. Mir ging es diesmal nicht um das Motiv sondern nur um die Technik. Folgende Fotos sind dabei entstanden:

Ich war erschrocken ! Eigentlich dachte ich jetzt müssten meine Fotos doch wenigstens etwas besser sein. Aber genau das gegenteil traf ein und um ehrlich fand ich meine Fotos im ziemlich sch***e. Ich versuchte es wieder mit meinem anderen Objektiv, denn der Bildauschnitt des 50mm war doch etwas gewöhnungsbedürftig wenn man ein Landschaftsfotos bewerten möchte (auch wenn es mir nur um die Technik ging). Aber wirklich besser sah es auch nicht aus.

Ich machte noch eine Vielzahl solcher Fotos. Aber sie waren mir einfach viel zu surreal und zu verwaschen. Das war nicht das was ich wollte. Entkräftet gab ich auf… Naja nicht ganz, denn nach einigen Tagen juckte es mir wieder in den Fingern und ich wollte es nochmal versuchen. Dieses mal achtete ich umso mehr auf die Qualität der Ausgangsbilder und machte mehr Fotos. Das Ergebnis war wieder nicht berauschend, denn es sah noch immer nicht sehr real aus. Aber es war wenigstens etwas besser als die anderen.

Das gab mir wieder neuen Mut und nun durchstöberte ich das Internet noch viel gründlicher. Ich klickte mich durch diverse Foren und besuchte eine Vielzahl astronomischer Webseiten. Nach einigen Tagen hatte ich nun schon wieder so viel gelesen, dass mir fast der Kopf platzte. Ich wußte kaum noch wo vorne und hinten war. Das Internet ist toll, keine Frage, aber leider kann man bei google nicht seine Frage angeben und man erhält die passende Antwort dazu. Vielmehr wird man von Informationen überhäuft und muss sich das Passende zu seiner Frage aussuchen. Nach einiger Zeit konnte ich alles mehr und mehr in meinem Kopf ordnen und stellte mir Fragen die ich mir ansonsten wohl nie so genau gestellt hätte. Zum Beispiel „Was ist Rauschen“ klar eine pauschale Antwort hätte ich auch gehabt die auch in etwa stimmt. Aber durch meine Recherchen stieß ich über Begriffe wie Dunkelstrom des Kamerachips, Ausleserauschen und Quatisierungsrauschen. Ich verstand nun immer mehr was nötig war für solche Fotos und schließlich war es an der Zeit wieder die Kamera in die Hand zu nehmen und mein neues Wissen zu testen.

„Voilà“ dachte ich, das sieht doch schon besser aus. Zwar war mir das Foto noch immer zu entfremdet und zu surreal. Aber ich war zufrieden, denn meine Arbeit trug nun endlich Früchte und es war ein Fortschritt zu sehen. Ich probierte es immer weiter, machte zahlreiche Fotos und jedes war ein Stück besser als das andere. Endlich war es an der Zeit sich ein passendes Motiv auszusuchen. Ich wartete auf eine sternenklare Nacht und drei Tage später war es soweit.
Ich hatte mit kurz vor Sonnenuntergang mit dem Auto einen Spot ausgeschaut. Es sollte eine Autobahnbrücke mit schöner Berglandschaft im Hintergrund werden. Um 10 Uhr nachts machte ich mich auf den Weg, aber leider zogen ein paar Wolken auf. Egal dachte ich mir, dann verzichte ich halt auf die Sterne. Ich machte schließlich über 40 Einzelaufnahmen auf einem Stativ und arbeitete sie mit diversen Programmen zusammen. Dann kam noch etwas Bildbearbeitung ins Spiel und folgendes Foto war Entlohnung genug für die ganze Arbeit:

Ich machte Freudensprünge! Zwar war ich immer noch nicht zufrieden, aber mich freute es, dass ein gewaltiger Fortschritt in diesem Foto zu erkennen war. Nun lehnte ich mich zurück und schaute mir meine gesamten Fotos nochmal an. Ich dachte ,enorm welche Entwicklungen man machen kann, sofern man sich nur wirklich reinhängt. Aber am Ziel war ich noch lange nicht, denn ich wollte ja schließlich noch einen Sternenhimmel auf meinen Fotos haben. Die Sterne ließen nicht lange auf sich warten und ich hatte mir auch schon ein neues Motiv ausgesucht. Nun ging das Spiel von neuen los: Ich bereitete die Kamera vor, Blende voll auf, Belichtung auf 25s und danach war die Kamera an der Reihe. Knapp 50 Fotos später nochmal das gleich für den Sternenhimmel. Etwa eine halbe Stunde später war alles im Kasten und ich machte mich auf den Heimweg. Das Prozedere war das gleiche: stacken,tonemapping und danach noch etwas EBV. Und folgendes Foto kam dabei heraus:

Zunächst war ich begeistert was ich alles aus dem Sternenhimmel holen konnte. Das Foto als Gesamtes empfand ich jedoch wiederum als Rückschritt. Das war aber nicht weiter schlimm denn ich verstand es ja auch als neues Kapitel, Landschaft und Sternenhimmel ausgewogen zu vereinen. Aber mit etwas Übung wird das schon gelingen. Um mein neues Können zu vergleichen, versuchte ich mich nochmal an meinem Anfangsmotiv. Das stellte sich als schwieriger heraus als gedacht. Dennoch bin ich mit dem Resultat recht zufrieden.

Problem war diesmal die fehlende Routine bei der Bildverarbeitung. Es ist für mich noch schwierig die richtigen Einstellungen zu finden, denn jedes Foto ist anders. Aber auch das wird sich mich genügend Übung verbessern.
Zusammenfassend bin ich mit meinen letzten Fotos recht zufrieden und ich denke es sind doch recht passable Exemplare entstanden.

Als kleiner Nachtrag sei gesagt, dass dies kein Tutorial ist. Ein solches wird in ausführlicher Weise folgen wenn ich eine bessere Routine bzw Workflow gefunden habe und für mich zufriedenstellendere Ergebnisse erziele. Dann werde ich alles Schritt für Schritt genauer erklären.
Vielmehr sei gesagt, dass dies ein Aufruf an alle ist auch mal etwas neues auszuprobieren und sich nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen. Denn genau diese „neuen Gefilde“ und der „Sprung ins kalte Wasser“ bringt einen oft viel weiter und erweitert den Horizont.

Kommentare (3)

  1. Hey Marc,
    Toller Beitrag über deine bisherigen Erlebnisse in einem neuen Bereich der Fotografie!
    Ich freue mich jetzt schon auf dein Tutorial in diesem Bereich.
    Viel Erfolg!
    Gruss Ilkay

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