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Pentax K-7 Testbericht

Patrice 16. Dezember 2010

Zugegeben, das Release-Date der Pentax K-7 liegt schon einige Tage zurück; dennoch hielten wir es für interessant, ausgerechnet dieses Modell unserem ersten Testbericht zu widmen. Pentax umwirbt die K-7 auf ihrer deutschen Internetplattform mit dem Slogan: „K-7 … the biggest fun you can have with your pants on!“ – doch was ist dran an dieser Aussage? Die PIXXEL-Blog.de-Redaktion macht den Praxistest…

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1. Gehäuse und Verarbeitung

Mit der K-7 brachte Pentax 2009 eine Spiegelreflex-Kamera auf den Markt, die sich als Nachfolger der K10D und der K20D relativ schnell etablieren konnte. Die Kamera wirkt auf den ersten Blick kleiner und kompakter als ihre Vorgänger. Das Gehäuse ist solide verarbeitet und erstmals in der Pentax-Reihe aus einer Magnesiumlegierung gefertigt, was die Kamera sehr robust und widerstandsfähig macht. Hinzu kommt, dass knapp 80 gummierte Dichtungen an empfindlichen Stellen die Kamera zu einem echten OUTDOOR-Talent machen. Pentax wirbt damit, dass Wasser, Staub, Sand und Frost der Kamera nichts anhaben können. Zu Testzwecken haben wir die Kamera 15 Minuten unter starkem Schneefall benutzt. Das gute Stück war ziemlich nass und schmutzig geworden, funktionierte aber dennoch nach wie vor einwandfrei. Zudem ist das Gerät laut Herstellerangaben gegen Temperaturen von bis zu – 10°C resistent. Diese Beschaffenheitsmerkmale ermöglichen eine vielfältige Nutzung unter extremen Bedingungen und sind zudem nahezu einzigartig in dieser Preiskategorie. Zudem bietet Pentax auch passend dazu spritzwassergeschütze Objektive an. Diese sind an dem „WR“ in der Produktbezeichnung zu erkennen. Zwar hat sich das K-Bajonett aus technischer Sicht im Laufe der Zeit ständig verändert und weiterentwickelt; da es jedoch aus mechanischer Sicht keine großen Erneuerungen gab, lassen sich erwartungsgemäß auch ältere Objektive mit der K-7 verwenden.
Doch es gibt auch was zu meckern: Der Kern der Kamera besteht aus einem Edelstahlgehäuse. Dadurch bringt die K-7 stolze 755 Gramm auf die Waage. Für eine derart kompakte Spiegelreflexkamera nicht gerade ein Leichtgewicht!

Was einige Filmbegeisterte freuen dürfte ist der Stereo-Mikrofon-Eingang (3,5 mm Klinke) auf der linken Seite. Dieser verbirgt sich unter einer Schutzlasche aus Kunststoff. Separat davon ist eine zweite Kunststofflasche vorhanden, unter der sich Anschlüsse für HDMI, DC-in und USB befinden. Negativ hierbei: Die Buchsen für DC-in und USB sind herstellertypisch und man ist hier auf Originalzubehör von Pentax angewiesen (anders bei der HDMI-Buchse: hier kann man auf Drittanbieter ausweichen). Die Aufteilung dieser Buchsen erscheint jedoch sehr sinnvoll. Während man den Mikrofon-Eingang auch unter freiem Himmel verwendet, nutzt man die anderen drei Buchsen meist nur in geschlossenen Räumen. Eine Abtrennung bietet daher zusätzlichen Schutz. Auf der rechten Seite findet man eine 2,5 mm Klinkenbuchse für Fernauslöser. Diese sind sowohl als Drahtlos-,  als auch als Kabelvariante erhältlich.

Weiterhin gut durchdacht ist die Positionierung des Batteriefachdeckels. Dieser ist weit genug vom Stativgewinde entfernt, so dass sich der Akku problemlos mit angeschraubter Stativ-Befestigungsplatte und gar auf dem Stativ wechseln lässt. Jedoch ist der Akku (leider erwartungsgemäß) nicht kompatibel zu älteren Pentax-Kameras. Der integrierte SD-Karten Slot befindet sich gut geschützt unter einer Kunststoffklappe. Einziges Manko: Der besagte Karten-Slot befindet sich so dicht an der Klappe, das die Entnahme der SD-Karte aus Platzgründen eine kleine Fummelarbeit darstellt. Also nichts für Wurstfinger 😉

2. Ergonomie

Wie es sich für eine semiprofessionelle Spiegelreflexkamera gehört liegt diese gut    und sehr sicher in der Hand. Im Vergleich zur K20D hat sich Tastenanordnung der K-7 etwas verändert. Die (unschöne) Knopfleiste auf der linken Seite ist verschwunden um mehr Platz für das LCD-Display zu schaffen. Die „Info“- und „Menü“-Taste sind neuerdings auf der rechten Seite platziert. Der Auslöser ist leicht und problemlos mit dem Finger zu erreichen und die Druckpunkte lassen sich mit etwas Gefühl deutlich voneinander abgrenzen. Auch die  übrigen Tasten sind günstig angeordnet, so dass sich die Kamera auch mit nur einer Hand (der rechten) fehlerfrei bedienen lässt. Ausnahme bilden hier die „Vorschau“- und die „Löschen“-Taste. Diese befinden sich weiterhin auf der linken Seite der Kamera, so dass man bei Gebrauch dieser Tasten seine linke Hand nutzen muss.
Das Programmwahlrad ist wie gewohnt auf der linken Oberseite integriert. Es ist durch eine Verriegelung gesichert. Bei Programmwechsel muss gleichzeitig der in dem Ringschalter integrierte Knopf gedrückt werden, damit sich das Wahlrad drehen lässt. Positiv daran ist, dass ein unbeabsichtigtes Verstellen ausgeschlossen wird. Nachteil ist, dass ein Programmwechsel umständlicher wird und ungeübte Personen unter Umständen zwei Hände nutzen müssen.

3. Bildschirm und Sucher

Unglaublich aber war. Die K-7 trumpft mit einem Pentaprisma-Sucher auf, der 100% des Blickfeldes abdeckt. Vergleicht man andere DSLRs in dieser Preisklasse mit einer solchen Abdeckung, wird man enttäuscht. Eine echte Rarität!  TOP! Die 0,92-fache Vergrößerung des Suchers der K-7  ist praktisch ähnlich wie die 0,95-fache Vergrößerung des Suchers der K20D und vollkommener Standard.
Der große 3“-Bildschirm (6,0 x 4,5 cm) überzeugt in jeder Hinsicht. 921.000 Pixel sorgen für ein gestochen scharfes Bild und sind mehr als ausreichend. Das Display ist überraschend hell und selbst  bei Sonnenschein und heller Umgebung ist ein Ablesen ohne Probleme möglich. Gehärtetes Glas verhindert zusätzlich, dass Kratzer entstehen. Hier gibt es absolut nichts zu meckern!

4. Ausstattung & Funktionen

In puncto Ausstattung und Funktionsumfang hat die Pentax K-7 einen deutlichen Schritt nach vorn gemacht. Die Lautstärke des typischen „Spiegelklappens“ hat enorm abgenommen und klingt sehr angenehm, so dass man die Kamera ohne Hemmungen und Rücksicht auch auf Konzerten und Vorträgen einsetzen kann. Auch das Aufklappen des Blitzes ist deutlich leiser geworden und klingt „schön“ gedämpft.

Der gewaltige Funktionsumfang lässt sich über das Menü steuern. Im Vergleich zu seinen Vorgängern sticht hier sofort die Übersichtlichkeit ins Auge. Statt (wie früher) ewig zu scrollen, um den gewünschten Menüpunkt zu erreichen, trennen einzelne Reiter verschiedene Kategorien voneinander. Scrollen gehört der Vergangenheit an.

In diesem besagten Menü verstecken sich eine Vielzahl von Sonderfunktionen, die die Bedürfnisse eines jeden Hobbyfotografen durchaus befriedigen dürften. So lassen sich auf leichte Weise nützliche Features anwenden, wie eine automatische Schattenkorrektur, die dunkle Stellen im Foto aufhellt oder analog dazu eine Spitzlichtkorrektur. Auch spielerische Dinge, wie ein riesiger Pool an Digitalfiltern, lassen die Fotos in einem ganz anderen Licht erscheinen (bspw. „Sepia“). Weiterhin praktisch: Motivverzerrungen lassen sich direkt mit der Kamera ausmerzen! (Jedoch braucht die Kamera dafür ihre Zeit…)

Superpraktisch sind auch zwei elektronische Wasserwagen (eine im Sucher, die andere auf dem Display) und eine Funktion, die eine automatische Begradigung des Horizonts ermöglicht (jedoch nur um wenige Grad). Der Sensor in der K-7 wurde bewusst beweglich konstruiert. Tief im Menü der Kamera lässt sich nämlich dieser um bis zu 2 Grad in alle Richtungen verstellen. Für Stative ohne Möglichkeit auf Feinjustierung eine super Sache!

Wo wir gerade von „Beweglichkeit“ sprechen müssen wir anmerken, dass uns der Bildstabilisator im Vergleich zu anderen Produkten aus dieser Preisklasse sehr überzeugt hat. Hier braucht sich der kleine Japaner nicht hinter anderen DSLRs verstecken.

Der „Pentax Prime II“-Bildprozessor ermöglicht es, etwa fünf Serienbilder pro Sekunden zu schießen. Diese Geschwindigkeit hält die K-7 für etwa 20 Bilder permanent bei. Danach verringert sich die Bildanzahl pro Minute merklich, da es zu Datenverschiebungen auf der Speicherkarte kommt. Dennoch eine akzeptable Leistung. Zwischen den einzelnen Serienbildern fokussiert die K-7 leider nicht neu. Abhilfe schafft jedoch AF-C (autofocus continuous). Bei angemessenen Lichtverhältnissen bringt die Kamera auf diese Weise etwa 2-4 Bilder zustande und fokussiert zwischen jeder Aufnahme nach. Sollten die Lichtverhältnisse zu dunkel schein, greift ein grünes AF-Hilfslicht dem Autofokus unter die Arme.

Durchaus praxisrelevant ist auch die sogenannte LiveView-Funktion. Das Aufnahmebild kann in (fast) Echtzeit auf dem Bildschirm betrachtet werden, bevor es geschossen wird. Zugegeben: Das können viele andere Kameras auch, dennoch sehr praktisch, gerade für Fotomotive auf die der Betrachter im Moment des Knipsens keine direkte Sicht hat, wie zum Beispiel auf Konzerten oder hinter Zäunen. Unterstützt durch den hellen Monitor lässt sich ein Moment auch mit gestreckten Armen festhalten. Einziges Manko: der Autofokus braucht während LiveView-Fotos wesentlich länger als normal!

Sehr überrascht hat uns auch die HDR-Funktion. Bei Motiven mit zu starken Kontrasten macht die Kamera hierbei drei Fotos mit unterschiedlichen Helligkeitsstufen, und rechnet diese zu einem einzigen Bild zusammen. Das Ergebnis lässt sich durchaus sehen!

Doch die K-7 ist nicht nur in der Lage, hochauflösende Fotos zu machen, sondern auch hochauflösende Videos. Im Format 16:9 lassen sich Filme mit 1280 x 720 Pixeln aufnehmen (entspricht 720p) und im eher außergewöhnlichen Format 3:2 sogar Filme mit einer Auflösung von 1536 x 1024 Pixeln. Beides ist jedoch kein „Full HD“, wie es Pentax auf seiner Internetplattform umwirbt, sondern nur „Half-HD“ (besser bekannt unter dem Namen: „HD Ready“). Das ist zwar nicht enttäuschend, wenn man die Ansprüche auf „Full HD“ nicht hat, aber es ist irreführend für den Endverbraucher. Wir sind ein wenig enttäuscht von Pentax. Es ist halt nicht immer das drin was drauf steht. Weitere Kritik: Der Autofokus ist während der Videoaufnahmen tot. Fokussieren lässt sich hier nur manuell. Weiterhin sind Filmaufnahmen auf eine Länge von 25 Minuten oder auf eine Dateigröße von 4 GB begrenzt. Film man mit „Half HD“ ist diese Grenze relativ schnell erreicht.

Abschließend lässt sich noch sagen, dass das komplette Bedienkonzept der Pentax K-7 angepasst und vereinfacht wurde. So lässt sich z.B. der Wert für die Belichtungskorrektur neuerdings mit nur einem Finger ändern, statt wie früher mit zwei Fingern (man musste bei der K20D permanent eine bestimmte Taste gedrückt halten!).

5. Bildqualität

Die 14,6 Megapixel bieten genug Bewegungsfreiheit, auch kleine gezoomte Ausschnitte aus einem Bild zu verwenden. Die Farben der Fotos sind angenehmen und die Sättigung ist optimal. Bis auf ein paar kleine dynamische Abweichungen kann man auch über die Farbgenauigkeit nicht meckern. Auch kontrastreiche Motive werden detailliert und bis ins kleinste Detail dargestellt. Ein Laie würde sagen: Die Fotos sind brillant.

Doch interessant wird es, wenn wir noch weiter ins Detail gehen: Die K-7 bereitet geschossene Bilder vor dem abspeichern kaum auf, was einem bei der digitalen Nacharbeitung am Computer eine große Bandbreite an Entfaltungsmöglichkeiten bietet und nicht zwingend negativ ist. Um das zu ermöglichen ist die interne Rauschunterdrückung (einstellbar) unter Standardeinstellung sehr minimal. Unter anderem aus dem Grund wird ab ISO 800 ein Rauschen sichtbar und auch bei ISO 1600 nimmt dieses weiter zu. Dafür ist aber jedes noch so kleine Detail zu erkennen, welches sonst von der internen Rauschbearbeitung unterdrückt worden wäre. Dennoch ist diese Tatsache kein überzeugendes Qualitätsmerkmal und wir wurden in unseren Erwartungen bitter enttäuscht.

6. Fazit

Die K-7 als semiprofessionelle Mittelklasse-SLR überzeugt in ihrer Beschaffenheit, Robustheit und Dynamik auf ganzer Linie. Der Funktionsumfang ist gewaltig, die Einstellmöglichkeiten unzählig und die Ausstattung sehr zufriedenstellend. Die Geschwindigkeit der K-7 ist schnell, die Benutzerfreundlichkeit ist gegeben und das Bedienkonzept leicht zu durchschauen.

Dieses Licht wird von einem deutlichen Rauschen bei hohen ISO-Werten getrübt. Man bekommt den Eindruck, ein altes körniges Foto aus Omas Fotoalbum zu betrachten. Während man in Photoshop für einen solchen Effekt mehrere Minuten braucht, braucht man bei Pentax nur die Lichtempfindlichkeit nach oben zu drehen.

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