PIXXEL – Der Fotografie Blog

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Samstagmorgenschneegestöber

Francis 22. November 2012

Mein Zug ist gerade an der Haltestelle, an der ich aussteigen sollte, angekommen. Und das bereits zum dritten Mal. So kann das eben gehen, wenn man die Nacht in einer (um es diplomatisch zu formulieren) ausschweifend geselligen Runde verbracht hat. Auf dem Programm stand: Poker. Nonstop. Mit allem, was man für eine gelungene Pokernacht benötigt. Erwartungsgemäß können in einer solchen Nacht schräge Dinge passieren. Man hat ein todsicheres Blatt auf der Hand – und verliert trotzdem. Man blufft sich zum Sieg. Man erkennt in seinen engsten Freunden bisher unbekannte Verhaltensweisen. Egal, das gehört wohl dazu.

Nun, beim erwähnten dritten Anlauf, gelingt es mir tatsächlich, den Zug zu verlassen. Die beiden vorangegangenen Male hab‘ ich die Haltestelle verschlafen und bekam dadurch die Gelegenheit, mir die Endstationen meines Zuges anzuschauen. Das kann ganz nett sein, jedoch hab‘ ich nicht das Bedürfnis, es zu wiederholen. Ich verlasse den Zug und …

Das ist mir heute Morgen passiert. (Ja, meine Arbeitszeiten sind so angenehm, dass ich auch unter der Woche übertreiben kann.) Und vor ein paar Wochen hab‘ ich fast dasselbe erlebt. Einzige Unterschiede: An diesem längst vergangenen Samstag lag Schnee, und ich hab‘ einen kleinen Artikel darüber geschrieben, den ich jedoch nicht veröffentlicht habe. Beim Aufwachen heute musste ich an diesen Artikel denken – und an den weichen, weißen Schnee, der mir jetzt irgendwie auf benebelt melancholische Art fehlt. Daher dachte ich, um das Herbstgrau – zumindest für einen kurzen Moment – schneeweiß anzumalen, und um meine Melancholie noch ein bisschen mehr auszureizen, veröffentliche ich diesen Blogeintrag einfach heute. Oktoberschnee, das ist für dich:

Ich verlasse den Zug und stehe in einer Fünf-Zentimeter-Schneeschicht. Wo kommt denn die auf einmal her? Hatten wir nicht gerade eben noch fast zwanzig Grad und Sonnenschein? Irgendwie sorgt dieser Schnee, der, wie ich feststellen muss, nicht nur unter meinen Füßen liegt, sondern auch um mich herum weht, nicht unbedingt für geistige Klarheit.

Ich stehe am Bahnsteig und betrachte verwirrt das sich mir bietende Bild. Die ungewohnt weiß gekleidete Landschaft fasziniert mich. Ich würde gern ein paar Fotos schießen, jedoch hab‘ ich natürlich meine Kamera nicht dabei. Und mein Handy hat auch bereits den Geist aufgegeben. Sei's drum. Der Schnee bleibt mir sicher noch eine Weile erhalten. Ich stapfe nach Hause. Die Uhr daheim verrät mir, dass aus dem Samstagmorgen bereits Samstagnachmittag geworden ist. Zwar werde ich von meiner Müdigkeit dominiert, jedoch hält mich das nicht davon ab, mich noch kurz an meinen Rechner zu setzen. Ich grabe das Netz ziellos um, suche nach Winterfotografien, schweife davon ab, ertappe mich selbst dabei, nach neuen Foto-Apps für mein Handy zu stöbern. Zwar werde ich nicht fündig, allerdings stoße ich auf einen Artikel, der sich mit den Wirrungen im Smartphone-Business beschäftigt.

Genug für heute, denke ich mir. Ich fahre meinen Rechner herunter, greife zur Kamera und fotografiere lächelnd zum Abschluss einer großartig schrägen Freitagnacht aus meinem Zimmerfenster das großartig schräge Schneetreiben.

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