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Photo Mate – Ein Gespräch mit Torsten Simon

Marvin 21. November 2012

Smartphones sind mittlerweile gang und gäbe. Die meisten von uns besitzen ein solches Elektronik-Spielzeug, und eigentlich hat das einfache Telefonieren bei diesen Wunderwerken der Technik heutzutage eher eine untergeordnete Rolle eingenommen. Wir nutzen Smartphones, um uns die Zeit zu vertreiben, um zu lesen, um zu spielen, um Emails zu checken, um uns an Messengern die Finger wund zu tippen – oder um zu fotografieren. Neben allen anderen Funktionen der heutigen Handys hat bekanntlich auch die Handy-Fotografie durch verbesserte Kameras und hochentwickelte Apps enorme Fortschritte gemacht. Heute stellen wir euch eine dieser hochkarätigen Apps – „Photo Mate“ – und deren Erfinder, Torsten Simon, vor.

Torsten Simon, 22, ist leidenschaftlicher Fotograf und Informatikstudent. Er hat die Foto-App „Photo Mate“ entwickelt, mit der man beispielsweise Bilder mit XMP-Datei-Support bearbeiten kann. Zudem lassen sich mit diesem Programm viele RAW-Dateien und PSD in hoher Qualität öffnen. Die App verfügt unter anderem über einen Datei-Explorer mit Unterstützung für Video-Thumbnails und eine Histogramm-Anzeige, mit der die Farbwerte und die Helligkeit von Bildern begutachtet werden können. Natürlich ist das noch lange nicht alles, was Photo Mate zu bieten hat. Doch bevor wir uns hier in einer ausschweifenden Rede verlieren, wollen wir lieber den Urheber der App selbst zu Wort kommen lassen.

Torsten Simon über sich, seinen Hang zur Fotografie und seine App Photo Mate.

Interview

Hallo Torsten, stell‘ Dich doch bitte kurz vor.

Hey, ich bin Informatikstudent und Hobby-Fotograf. Seit einigen Jahren bin ich schon als freiberuflicher Programmierer tätig und entwickle hauptsächlich Anwendungen für Android-Geräte.

Welche Art der Fotografie verfolgst Du? Hast Du ein Spezialgebiet?

Ich passe mich da eigentlich immer dem an, was ich gerade vor die Kamera bekomme. Das reicht von der Tele-Fotografie von Vögeln bis zur Makrofotografie von Insekten. Ein spezielles Gebiet habe ich nicht, ich versuche mich einfach in allem, was mich gerade interessiert.

Wie bist Du zur Fotografie gekommen?

Ich arbeitete eine Zeit lang als Mitarbeiter in einer Design-Agentur. Obwohl mein Aufgabengebiet mehr die Web-Programmierung war, fand ich es immer sehr interessant, bei den Foto-Shootings mit dabei zu sein. Das war wohl der Auslöser für mein Interesse an diesem Hobby.

Wie lange fotografierst Du schon und was für eine Ausrüstung verwendest Du?

Das kommt jetzt wohl auf die Definition von „Fotografieren“ an. Fotografieren mit einfachen Kameras oder dem Handy  tue ich schon seit mehr als acht Jahren, aber die Fotografie mit professionellerer Ausrüstung betreibe ich erst seit etwa zwei Jahren.
Als Body habe ich eine Canon Eos 550d. Als Objektive nutze ich das 18-55mm (hauptsächlich für Architektur-Fotografie im Weitwinkel), ein 55-250mm (für Tier-Fotografie und generelle Tele-Fotografie) sowie das 50mm F/1,8, welches ich besonders gerne für Portraits oder zum Freistellen von Objekten verwende. Für Makro-Fotografie, oder auch um Portraits freizustellen, habe ich noch ein 100mm F/2,8.

Wo fotografierst Du am liebsten? Und wieso gerade dort?

Am liebsten fotografiere ich an für mich unbekannten Orten. Wieso? Weil man dort umso mehr Motive findet, da man Sachen an Orten, an denen man zuvor noch nicht war, immer ganz anders wahrnimmt, als an Orten, die man nahezu täglich sieht.

Was sind Deine Lieblingsmotive? Was fotografierst Du am liebsten?

Besonders gerne fotografiere ich Tiere. Nicht unbedingt Haustiere, sondern Tiere in freier Wildbahn, darunter auch Insekten. Sehr gerne fotografiere ich auch Babys oder Kinder, vor allem, da viele Kinder sich „gut“ fotografieren lassen, was man nicht von jedem Erwachsenen behaupten kann 🙂

Was macht Deine Fotos aus? Verfolgst Du einen bestimmten Stil?

Ich arbeite sehr gerne mit selektiver Tiefenschärfe. Ich möchte ein möglichst weiches „Bokeh“ erhalten, besonders schön mit vielen bunten Lichtern im Hintergrund. Dadurch wird die Wahrnehmung auf das Objekt im Vordergrund gelenkt.

Welche Programme (mal abgesehen von Photo Mate) verwendest Du zum Bearbeiten der Bilder? Gibt es welche, mit denen Du schlechte Erfahrungen gemacht hast? Welche kannst Du weiterempfehlen?

Zum Bearbeiten der RAW-Bilder verwende ich Camera Raw von Adobe. Zum Navigieren durch die RAW's nutze ich die Bridge. Die Qualität von Camera Raw ist schlichtweg genial. Einzig und allein stören tut mich, dass Bridge beim Navigieren nicht immer so schnell ist, trotz moderner Hardware.

Sind die Bilder erstmal in JPG's konvertiert (RAW Dateien lösche ich nach dem Bearbeiten/Konvertieren immer), nutze ich das kostenfreie Picasa. Besonders toll davon: Die Gesichtererkennung. Wenn man später mal nach Bildern einer bestimmten Person sucht, macht diese Funktion das Ganze sehr einfach.

Was inspiriert Dich?

Für mich sind es häufig die Fotos anderer, die mich dazu anregen, manche Dinge mit „anderen Augen“ zu sehen. Das inspiriert mich auch immer auf`s Neue dazu, die Motive, die ich vor die Kamera bekomme, so zu fotografieren, dass es anderen genauso geht.

Hast Du eine/n Lieblingsfotografen/in?

Einen speziellen, „berühmten“ Fotografen habe ich nicht als Lieblingsfotografen. Ich schaue mir gerne Bilder von anderen Hobby-Fotografen an, die sehr schöne Motive finden. Für mich kann es jeder sein, wenn er aus dem Motiv, das er fotografiert hat, in meinen Augen das Beste herausgeholt hat.

Was möchtest Du mit deiner Fotografie erreichen? Was sind Deine Zukunftspläne?

Diese Frage stellt man sich manchmal auch selbst und weiß dann keine so richtige Antwort darauf. Für mich ist die Fotografie einfach eine Art, seine eigenen Ansichten auszudrücken. So wie ein Musiker das ganze eben mit einem Song macht, mach ich es eben mit einem Foto.

Wie das in Zukunft aussieht, weiß ich nicht. Ich möchte aber in erster Linie die Fotografie als Hobby sehen, und nicht einen Beruf daraus machen.

Wie denkst Du heute über Deine ersten Fotografien?

Wenn ich mir manche davon anschaue, muss ich sagen: „Gar nicht mal so schlecht“. Dafür, dass ich damals ein sehr eingeschränktes Equipment zur Verfügung gehabt habe, sind trotzdem schöne Fotos dabei entstanden.

Was macht ein gutes Foto aus?

In meinen Augen muss das Foto einfach eine Art „WOW“-Effekt auslösen. Was das ausmacht, kann ich nicht sagen, sonst würde es wahrscheinlich auch viel mehr „gute“ Fotos geben. In meinen Augen hat es jedoch nicht unbedingt etwas mit der Schärfe oder der Qualität zu tun – die beste Kamera ist immer die, die man bei sich hat.

Was bedeutet für Dich Kreativität?

Für mich ist Kreativität eine Art der Selbstverwirklichung, eine Art, meine Ansichten auszudrücken.

Auf was könntest Du niemals verzichten?

Als Informatiker muss ich an dieser Stelle natürlich sagen: Auf meinen Computer 😉

Über Photo Mate

Wie kamst Du auf die Idee, die App Photo Mate zu entwickeln?

Photo Mate Screenshot

Photo Mate Editierfunktionen

Das ganze fing eigentlich eher harmlos an. Als Informatik-Student wurde ich irgendwann auf Android aufmerksam. Mich hatte immer gestört, dass man von den Handy-Bildern, die man unterwegs gemacht hat, die Exif-Daten (Also ISO, Blende, Belichtungszeit … ) nicht angezeigt bekommen hat. Für mich als Fotograf waren diese Daten sehr interessant, um z.B. die Belichtung der Szene im Nachhinein einzuschätzen. Also entwickelte ich Photo Mate, anfangs ein simpler Bildbetrachter, der zusätzlich alle relevanten Exif-Daten zum Bild angezeigt hat. Später viel mir – nach dem Kopieren einiger JPGs meiner DSLR – auf, dass Android diese Bilder nicht in voller Qualität angezeigt hat. Also arbeitete ich die App so um, dass sie die Bilder (wenn möglich) in 1:1-Qualität darstellen konnte. Mittlerweile werden beide dieser Funktionen direkt vom System unterstützt.

Was sind Deiner Meinung nach die großen Vorzüge und Besonderheiten der App?

In erster Linie der Funktionsumfang. Da auch ich persönlich ein RAW-Fotograf bin, habe ich das Problem, meine Bilder nicht ohne eine spezielle Software anschauen zu können. Mit Photo Mate kann ich diese Bilder direkt in einer Diashow, zum Beispiel mit dem Tablet am Fernseher, präsentieren.

Wenn mich jemand nach einem speziellen Bild fragt, kann ich mit dem Netzwerk-Support auf meinem NAS-Speicher das entsprechende Bild schnell suchen und finden.

Die Editierfunktionen nutze ich persönlich häufig mit dem Smartphone. Wenn ich ein Bild unterwegs mache, das ich direkt veröffentlichen will, kann ich damit das Bild entsprechend anpassen, und zwar mit Einstellungen, die man auch aus „professioneller“ Software kennt; und nicht diese typischen Sepia-Effekte, die jeder mit einem Klick aktivieren kann.

Photo Mate Kontrast

Photo Mate Weißabgelich & Farbton

Wie viel Entwicklungszeit hast Du bereits in die App investiert und investierst Du noch?

Die erste Version habe ich vor fast zwei Jahren veröffentlicht. Eine genaue Zeit ist schwer zu nennen, da ich meine Zeit sehr flexibel gestalte. Wenn mir eine tolle Idee gekommen ist, oder mir jemand eine geschickt hat, habe ich diese manchmal direkt eingebaut.

Insgesamt würde ich ca. ein halbes Jahr kontinuierliche Entwicklungszeit schätzen.
Da die App derzeit auf sehr viel Interesse bei Fotografen stößt, möchte ich auch in Zukunft weiter daran arbeiten und einiges verbessern, um ein universelles Tool für jeden Fotografen zu gestalten, das unterwegs weiterhilft.

links ohne Photo Mate, rechts mit Photo Mate

Welche Funktion hat am meisten Zeit gekostet und warum?

Der wohl schwierigste Teil bei der bisherigen Entwicklung war das Finden eines Algorithmus für die Korrektur des Weißabgleichs.
Was während der Bearbeitung eigentlich relativ trivial aussieht, war ein äußerst schwieriges Unterfangen.
Es hat mehrere Wochen gedauert, und viele Versuche gekostet, bis ein akzeptables Ergebnis erzielt wurde. Hierbei erhielt ich netterweise sogar externe Unterstützung durch meine Universität.

Ist Photo Mate für einen speziellen Gerätetyp konzipiert?

Grundsätzlich funktioniert die App sowohl auf Telefonen als auch auf Tablets. Aber auf dem Tablet machen das Betrachten und Bearbeiten der Bilder natürlich erst richtig Spaß.

Auf Telefonen sind aufgrund der Bildschirmgröße gewisse Einschränkungen möglich, da einfach nicht alle Elemente angezeigt werden können.

Wie sehr hast Du Dich an anderen Fotografie-Apps orientiert?

In erster Linie habe ich mir von anderen Fotografie-Apps die Geschwindigkeit abgeschaut. Als ich feststellte, das andere Apps RAW-Bilder schneller anzeigen konnten, habe ich lange Zeit an den Algorithmen gearbeitet, um auf ähnliche (oder bessere) Ergebnisse zu kommen.

Die Oberfläche, Icons und das Bedienkonzept habe ich selbst gestaltet, ohne mir irgendwo Anregungen zu holen. Häufig habe ich mir auch abgeschaut, was man nicht tun sollte. 😉

Was hältst Du von anderen Fotografie-Apps?

Wäre ich bei dieser Frage jetzt unehrlich, müsste ich natürlich jede andere App schlecht reden 😉

Aber selbstverständlich gibt es auch andere sehr gute Fotografie-Apps. Beeindruckt bin ich vor allem vom CR2-Thumbnailer. Die Geschwindigkeit dieser App ist immer noch etwas besser als die von Photo Mate, auch wenn diese deutlich weniger Funktionen bietet.
Von der Bedienung gefällt mir auch Quick Pics sehr, vor allem, weil das Laden und Zoomen der Bilder sehr flüssig läuft. Das ist einer der Punkte, die bei Photo Mate noch nachgebessert werden müssen.

Video: Editierfunktionen von Photo Mate

YouTube Preview Image

Für welches Zielpublikum ist Photo Mate gedacht?

In erster Linie richtet sich Photo Mate an Hobby- und Berufsfotografen.

Hobbyfotografen haben damit den Vorteil, Ihre Bilder unterwegs (zum Beispiel im Hotel) zu sortieren und zu bewerten, ohne ständig einen großen Laptop im Gepäck haben zu müssen.
Für Berufsfotografen ist vor allem das große Display eines Tablets von Vorteil. Dank Eye-Fi-Cards oder ähnlichem Equipment können die Fotos über Funk direkt während des Shootings auf das Gerät übertragen und anschließend zusammen mit dem Kunden ausgewertet werden. Dank der XMP-Unterstützung für Bewertungen hilft das beim Workflow.
Natürlich gibt es auch den ein oder anderen, der Photo Mate für seine Handy-Bilder nutzt. In erster Linie sind hier zum Beispiel die Funktionen für die Batch-Konvertierung (also beispielsweise das Verkleinern und Komprimieren von ganzen Bilderordnern) interessant, wenn man viele Bilder im Internet veröffentlichen will.

Ist die App für einen speziellen Gerätetyp konzipiert?

In erster Linie funktioniert die App sowohl auf Telefonen als auch Tablets. Aber auf dem Tablet macht das Betrachten und Bearbeiten der Bilder natürlich erst richtig Spaß.
Auf Telefonen sind aufgrund der Bildschirmgröße gewisse Einschränkungen möglich, da einfach nicht alle Elemente angezeigt werden können.

Video: Photo Mate auf einem Samsung Galaxy Tab P1000:

YouTube Preview Image

Wenn Du Deine App kritisch betrachtest, was wäre der Punkt, der Dich am meisten stört und warum?

Am meisten stört mich, dass beim Bearbeiten (und unter Umständen beim Betrachten) die Bilder gegebenenfalls nicht in der vollen Auflösung gespeichert beziehungsweise angezeigt werden.
Das ist leider eine technische Beschränkung von Android, für die ich bislang keine Lösung gefunden habe. Es ist natürlich ärgerlich, dass man sehr große Bilder häufig nicht in Originalgröße bearbeiten kann.

Wie sehen Deine Zukunftspläne für Photo Mate aus? Was soll noch verändert, verbessert, umgestaltet werden?

Das ist eine schwere Frage. Genau genommen lebt die App von den Wünschen und Anregungen der Kunden. Ich lasse viele Ideen und Wünsche der Leute, die die App nutzen, einfließen.
Fast jedes Feature, das es derzeit in der App gibt, war ursprünglich die Idee eines Nutzers. Ohne dieses Feedback wäre die App jetzt nicht da, wo sie ist.
Generell möchte ich natürlich immer die Unterstützung der Kamera-Formate verbessern beziehungsweise ausweiten. Zusätzlich sind es in erster Linie auch viele kleine Feinheiten wie zum Beispiel eine Verbesserung der Geschwindigkeit oder eine intuitivere Bedienung.

Danke für das aufschlussreiche Gespräch, Torsten. Und weiterhin viel Erfolg mit Photo Mate

Die Features von Photo Mate

  • Das Öffnen von Bildern (inklusive vieler RAW-Dateien und PSD) in hoher Qualität
  • Das Bearbeiten von Bildern mit XMP-Datei-Support
  • Die Batch-Konvertierung und Umbenennung sowie Anwendung von Bearbeitungen auf mehrere Bilder
  • Ein Datei-Explorer mit Unterstützung für Video-Thumbnails und Mehrfachauswahl
  • Die Unterstützung für das Bewerten von Bildern und Filtern (mit XMP-Unterstützung)
  • Die Unterstützung für XMP-Stichwörter
  • Eine Histogramm-Anzeige, um die Farbwerte und die Helligkeit des Bildes zu begutachten
  • Die Möglichkeit, über- und unterbelichtete Bereiche hervorzuheben

Näheres zu Photo Mate findet Ihr hier:

Web-Adresse: www.photo-mate.de

Google+: https://plus.google.com/b/105570567786835763800/105570567786835763800/posts

Oder natürlich direkt bei Google Play. Hier ist Photo Mate derzeit in drei Versionen (Demo, Basic, Professional) erhältlich.Photo Mate - Ein Gespräch mit Torsten Simon, 5.0 out of 5 based on 1 rating

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