PIXXEL – Der Fotografie Blog

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Neues Jahr – antiquiertes Glück

Marvin 5. Februar 2013

Ich bin ganz glücklich darüber, dass Weihnachten und Silvester mit all der dazugehörigen Sentimentalität endlich vorbei sind. Auch stehen in meinem Umfeld in nächster Zeit keine Geburtstage an (jedenfalls keine, an die ich mich erinnern kann). Sprich: Von Nostalgie, Gefühlsduselei und familiärer Peinlichkeit bleibe ich in nächster Zeit erst mal verschont – das nahm ich zumindest bis vor Kurzem an.

Ein Bekannter von mir rief mich kürzlich an. Ich dachte mir anfangs nichts Böses dabei. Er wird mir vermutlich – pflichtbewusst, wie er ist – den üblichen Neujahrsanruf abstatten. Wir würden uns gegenseitig ein gutes neues Jahr wünschen, nach dem werten Befinden fragen, uns über das miese Wetter aufregen – eben den gängigen Smalltalk durchgehen. Doch nix war`s. Mein Bekannter erzählte mir, er sei kürzlich umgezogen und habe beim Entrümpeln ein paar Kartons mit Dias gefunden. Nach dem ersten Aufatmen meinerseits darüber, dass ich nicht Umzugshelfer spielen musste, realisierte ich den eigentlich bedenklichen Teil an seiner Aussage: Dias! Er hat tatsächlich noch Dias! Zwar hab ich nach unserem Telefonat im Netz gelesen, dass selbst Diaprojektoren noch zu irgendwas gut sein können, dennoch war mein erster Vorschlag in diesem Moment, die Dias dem Mülleimer zu überlassen, da dieser sich bestimmt über edles, sorgsam gereiftes Bildmaterial längst vergangener Tage freuen würde. Erwartungsgemäß war mein Bekannter davon nicht so überzeugt wie ich. Er wolle sich die Bilder unbedingt mal anschauen, habe jedoch selbst keinen Dia-Projektor mehr, und ich müsse ja eh mal seine neue Wohnung sehen, und da könne man das ja vielleicht kombinieren, und ich als Foto-Liebhaber könne doch sicher … Ich ahnte schon, was kommen würde. Kurzum: Da es nun an mir lag, Pflichtbewusstsein zu zeigen, versprach ich, das nötige Equipment zu besorgen. Ich entschied mich dazu, einen Diascanner zu besorgen. Und am vergangenen Wochenende war es dann soweit. Wir trafen uns in seiner neuen Wohnung, digitalisierten die steinzeitlichen Aufnahmen und unterzogen uns einer stundenlangen Berieselung mit Fotografien, die besser in Vergessenheit geraten wären. Mein Bekannter und seine langjährige Lebensabschnittsgefährtin feierten jedes einzelne Bild, schwelgten in Erinnerungen, kicherten und glucksten vor sentimentaler Freude. Ich hoffte lediglich, dass der dem Anlass angemessene Rotwein mich wohlbehalten und gefühlskalt über den Abend retten würde. Und das tat er letztlich auch. Zwar war er nicht so alt, wie die Fotos, dafür jedoch wesentlich leichter zu genießen …

Foto: Margit Ahrendts / Pixelio.de

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