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Most Wanted PIXX – Le Baiser de l’Hotel de Ville

Patrice 24. März 2011

In der Rubrik Most Wanted PIXX beleuchten wir in regelmäßigen Abständen die berühmtesten Fotos der Geschichte von einer ganz anderen Perspektive. Hintergrundinformationen und interessante Fakten warten auf euch, die man kennen sollte!





In der letzten Ausgabe von Most Wanted PIXX haben wir uns einem sehr berühmten Bild zugewandt – ein Foto namens Lunch atop a skyscraper. Dieses Bild hat bestimmt jeder zweite in seinem Wohnzimmer zu hängen. Die andere Hälfte (grob geschätzt) hat den Kuss (Baiser de l'Hôtel de Ville) von Robert Doisneau an der Wand. Alle Hintergründe zu diesem Bild, wer die Personen auf dem Foto sind, wo das Foto entstanden ist und vieles mehr wollen wir in diesem Artikel beleuchten.

 

Der Fotograf

Robert Doisneau ist an dem Tag geboren, an dem die Titanic gesunken ist. Am 14. April 1912 erblickte er das Licht der Welt. 17 Jahre später begann er beruflich zu fotografieren. Unter anderem war er Werksfotograf des Automobilherstellers Renault – diese Tätigkeit gab er später jedoch auf, um freiberuflich aktiv zu werden. Er fotografierte für diverse Illustrierte, unter anderem für die Vogue.
 

Bekannt wurde Doisneau für seine fotografischen Arbeiten in/auf den Straßen von Paris, wobei etwa 350.000 Fotos entstanden.
 
…und bei genau diesen Arbeiten ist das Bild entstanden, um das es sich in diesem Artikel dreht.

 

Baiser de l'Hôtel de Ville

Entstanden ist dieses Bild – wie bereits in erwähnt – in Paris, vor dem Pariser Rathaus.
 


Größere Kartenansicht

Die Tatsache, dass das Bild in den Farben schwarz/weiß gehalten ist, verdanken wir nicht etwa einem Photoshop-Effekt, sondern vielmehr der technischen Entwicklung. Die Aufnahme wurde nämlich bereits im Jahre 1950 getätigt.
Auf dem Bild ist ein küssendes Pärchen zu sehen, umgeben von Menschen – versunken im hektischen Alltag. Im Vordergrund kann man Tische erkennen, die zu einem Café gehören. Im Hintergrund, auf der anderen Seite der Straße schimmert das Hôtel de Ville.
 

Doisneau schoss dieses Foto 1950 im Auftrag der Zeitschrift „Life“. Doch erst so richtig berühmt wurde dieses Bild 1986, als es wiederveröffentlich wurde. Der Kuss ging um die Welt und plötzlich kannte es Hinz und Kunz. Das führte dazu, dass viele Menschen und Pärchen meinten, sich auf dem Foto wiederzuerkennen. Doisneau wurde mit Klagen überhäuft, da vermeintliche Protagonisten Beteiligungen an den Gewinnen haben wollten.
 
Doch wer waren die Personen auf dem Foto wirklich?


Zwar wurde Doisneau mehrfach verklagt; doch keine Klage konnte sich zu Gunsten der Kläger durchsetzen. Doisneau hatte einen Auftrag der Illustierten „Life“, für einen Artikel namens „Verliebte in Paris“ eine Fotoserie zu schießen. Für diese Fotoserie bestellte er zwei Schauspielstudenten, die in den Straßen Paris posierten. Das Foto Baiser de l'Hotel de Ville ging aus dieser Fotoserie hervor. Auf dem Bild sieht man also nicht etwa eine spontane Alltagssituation, sondern eine gestellte Szene von zwei Studenten, die die Absicht hatten, ihr Taschengeld etwas aufzubessern. Zwei Studenten, die in diesem Moment nicht ahnten, dass ihr Kuss einmal weltbrühmt werden wird.
 
Kuss gegen Bezahlung


Der Glaube, dass es sich bei diesem Foto um ein Schnappschuss handelt, war ein wesentlicher Faktor für den Erfolg dieses Bildes. Und dieser Glaube wird auch noch bis heute gewahrt. Tatsächlich kam die Wahrheit der gestellten Szene erst Anfang der 90er Jahre ans Licht. Ein Ehepaar namens Lavergne meldete sich bei Doisneau in dem Glauben, dass Pärchen auf dem Bild zu seien. Da Doisneau diesem Pärchen den Glauben nicht nehmen wollte, äußerte er sich nicht weiter zu dieser Aussage. Als am Valentinstag 1992 das Ehepaar Lavergne in einer Fernsehshow als das Liebespaar vom Hotel de Ville auftrat, meldeten sich die echten Protagonisten (die beiden Schauspielstudenten) zu Wort und es kam zu einer kleinen Klagewelle. Das Ehepaar Lavergne sowie die weibliche Protagonistin verklagten Doisneau auf Gewinnbeteiligung – doch alle Klagen wurden abgewiesen.
 
Ein Abzug existiert noch…


Die Begründung für die abgewiesene Klage gegenüber der Protagonistin war darin zu finden, dass das Pärchen bereits zum Zeitpunkt der Aufnahme mit einem Honorar entlohnt wurde. Doch eigentlich dürfte das gar nicht so schlimm gewesen sein. Immerhin war die weibliche Hauptperson im Besitz eines Abzugs, welcher 2005 bei einer Auktion für stolze 155.000 Euro an einen anonymen Bieter aus der Schweiz verkauft wurde. Der Schätzpreis lag bis dato bei „nur“ 15.000 €.
 
Zur richtigen Zeit am richtigen Ort


Der männliche Protagonist hat sich nie den Gerichtsprozessen gegen Doisneau angeschlossen, ganz im Gegensatz zur weiblichen Protagonistin. Er fand es schade, dass aus „Fotografiegeschichten“ „Geldgeschichten“ gemacht werden. Doisneau schulde ihm nichts.


Das die beiden Schauspielstudenten vor der Linse standen, war übrigens reiner Zufall. Die Tische, die man im Vordergrund sieht, gehören zu einem Café. In diesem Café saßen die beiden Schauspielstudenten, die zur damaligen Zeit liiert waren. Doisneau zögerte nicht, die beiden anzusprechen, um ein paar Fotos zu schießen.


Die große Serie „Most Wanted PIXX“!

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……. | MWP – Saigon Execution

……. | MWP – Lunch Atop a Skyscraper

……. | MWP – Le Baiser de l`Hôtel de Ville

Most Wanted PIXX - Le Baiser de l'Hotel de Ville, 3.0 out of 5 based on 2 ratings

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