PIXXEL – Der Fotografie Blog

0
GD Star Rating
loading...

Fotografentanz

Gastautor 20. November 2010

Ein Beitrag von Jakob Walbe (Gastbeitrag)

Wenn es um Fotografie geht, würde ich mich als fortgeschrittenen Anfänger bezeichnen. Oder anfänglich Fortgeschrittener? Ist ja eigentlich auch egal, Ich fotografiere gerne und immer öfter gelingen mir auch gute Aufnahmen. Jetzt habe ich aber eine neue Herausforderung für mich gefunden, fotografieren auf Veranstaltungen. Während Landschaftsaufnahmen gerade mit einem vernünftigen Stativ und einer einigermaßen guten Kamera auch für anfänglich Fortgeschrittene keine unlösbaren Aufgaben darstellen, auch wenn man ein gewisses künstlerisches Niveau verfolgt, sind grade Tanzveranstaltungen eine echte Herausforderung. Und sie stellen auch für meine Kamera, die Pentax K200 eine echte Härteprobe dar. Was bei guter Beleuchtung oder still stehenden Objekten kein Problem darstellt, macht sich bei bewegten Objekten in Dunkelheit schon schnell als problematisch bemerkbar. Die Rauschunterdrückung kommt bei dieser Pentax schnell an ihre Grenzen, gerade bei ISO 1600 gibt es statt klarer Bilder dann gerne einen kleinen Schneesturm. Die müssen es aber sein, sonst bleibt es dunkel auf dem Bild. Grade wenn die Lichttechniker wieder kein Herz für Fotografen haben.

Zu meinem Fotografie-Debüt kam ich eher durch einen Zufall, in unserer Uni gab es einen „Storchenball“, ein Ball für alle Neuanfänger. Aus Übermut bot ich an, Fotos für die Uniwebseite zu machen. Pünktlich um acht stand ich vor der Uni, meine Pentax K200 D im Anschlag, genug Akkus für eine Safari und mit all dem anderen Gepäck eines Fotografen ausgestattet.
Als ich den großen Tanzraum betrat, musste ich feststellen, dass die Lichttechniker auch dieses mal kein Herz für Fotografen hatten. Statt die Tanzfläche mit einigen, am besten mit Tageslichtfolien ausgestatteten, 2000-Watt Strahlern aufzuhellen, war sie nur mit einigen wenigen stimmungsschaffenden und stark schwächelnden Scheinwerfern ausgeleuchtet, die meine Objekte, die Tanzenden, nur für Sekundenbruchteile erhellten.
Zu Beginn, ich war grade eingetroffen, spielte eine Liveband ruhige Musik, die „Storchen“ eröffneten mit einem ruhigen und geordneten Tanz den Ball. Es blieb mir Zeit zum Knipsen, korrigieren der Einstellungen und erneutem Knipsen. Traumzustände. Trotz der Dunkelheit konnte auch ein anfänglich Fortgeschrittener zu guten Ergebnissen kommen, ich musste nur den Moment finden, wenn ein Scheinwerfer das von mir erfasste Paar erhellte.

Doch dann änderte sich die Musik, zu einer fetzigen Musik, die meine Objekte dazu verleitete, sich schnell zu drehen oder sogar wie Flummis rumzuhopsen, das Einfangen solcher Objekte macht einfach keinen Spaß mehr. Warum können die denn nicht einfach  nur etwas ruhiges spielen? Bilder von sich langsam Drehenden sind doch auch ganz schön.  Zugegeben, etwas langweilig auf die Dauer, aber auch schön.

Dazu strömte jetzt alles was Beine hatte auf die Tanzfläche und die Zeit, in der ich ich mich irgendwo hinstellen konnte, die Tanzfläche durch den Sucher erfassen und dann knipsen was die Akkus halten, von denen man übrings etliche dabei haben sollte, grade mit der durstigen PENTAX K200. Leider wurde ich mit eingebunden in viele der Tänze, sonst wäre ich schon nach Minuten niedergetrampelt worden und die Farbe meines Anzugs hätte sich, sagen wir mal „verändert“. Es half nichts, halb knipsend, halb  hopsend bewegte ich mich immer wieder durch die Menge und versuchte meine Kamera vor Alkohol in verschiedener Konzentration und Farbe zu schützen.
Während ich von den Tanzenden durch die Manege gejagt wurde, versuchte ich so ziemlich jede Einstellung meiner Kamera aus, die perfekte Belichtungszeit scheint es aber wirklich nicht zu geben, eher der Augenblick, an dem Belichtungszeit und richtige Belichtung zusammen treffen. Zwischendurch versuchte ich es auch mal mit dem Blitz, ich finde aber, dass dies eine Notmaßnahme bleiben sollte, da man dann doch nur einzelne in den Spot stellt, gerne sogar überbelichtet, die Masse aber in die Unterbelichtung ausschließt. Zudem kommt nur wenig der Stimmung rüber, die der Lichttechniker -oder besser Dunkeltechniker- mit seiner sparsamen Beleuchtung erzeugen wollte.
Immer wenn ich genug hatte, vor der tanzenden Meute wegzulaufen und in eng umschlungene Paare reinzurennen machte ich eine kleine Platzrunde, Balsam für die geschundene Fotografenseele. Bilder von Besoffenen an der Bar sind wesentlich leichter zu machen und gelingen auch fast immer gut, solange die Objektive nicht schon so weit hin sind, dass man sie vor lauter Wanken nicht mehr vernünftig scharf bekommt.

Am Ende des Abends waren meine Füße wirklich sauer auf mich, die SD Karte in meiner Kamera mit 800 Bildern gefüllt und ich um einige Erfahrungen reicher. Und um letztere geht es ja.

Ich will ehrlich sein, ich habe das Zaubermittel zum Fotografieren bei Partys noch nicht gefunden. Aber im Internet gibt es ja schon genug Fotografen, die es angeblich gefunden haben. Ich glaube, dass man ganz viel probieren muss. Alle Belichtungszeiten durch, mal mit Blitz mal ohne. Keine Panik, einfach mal an allen Rädchen und Knöpfen drehen und schrauben – aber bitte nur bei der eigenen Kamera, sonst kann es Ärger geben. Wahrscheinlich werden nur ein paar Bilder wirklich genial, einige werden ein bisschen was. Und viele werden nix. Die kann man ja löschen.

Getaggt mit: ,

Einen Kommentar hinterlassen

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.

Zu deinem Account einloggen

Ich kann mich nicht an dich erinnern!Kennwort ?

Registriere dich auf dieser Seite!

Time limit is exhausted. Please reload the CAPTCHA.


Lesen Sie den vorherigen Eintrag:
Panoramabilder aus der Hosentasche

ein Beitrag von Oliver Heuschele...

Schließen