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Der Videobeweis fürs Smartphone

Gastautor 18. Juni 2013

Das kennt ihr sicher alle: Je länger die Reise, desto spontaner wird man unterwegs. Nicht alles was man erleben will, lässt sich im Vorfeld planen. Und das ist auch gut so. So hab ich es in zwei Monaten Neuseeland zwar nicht geschafft, einmal komplett um beide Inseln zu fahren, aber stattdessen das gemacht, worüber man hier in jedem Hostel und jedem Backpackers diskutiert: Bungee Jumping, Paragliding und Sky-Diving. Die einen erzählen wie es war, die anderen beschreiben wo es war, und wieder andere vergleichen Preise, Fallhöhen und Locations. Nicht jeder der mich kennt, hätte mir unbedingt zugetraut, das auch ausprobieren zu wollen. Doch meine Digitalkamera und freiwillige (teils bezahlte) Fotografen waren immer zur Stelle. Mit tollen Bildern, aber noch tolleren Videos ging es irgendwann zurück in die Heimat.

Was dann am Computer zu Hause echt super aussah -– und Familie und Freunde neidisch machte – hab ich dann einfach aufs Smartphone gezogen. Das meiste waren kleine MOV- oder MPG-Files direkt von der Digitalkamera. Umgewandelt und getestet hatte ich nichts. Die Freude auf die ebenfalls neidischen Blicke meiner Arbeitskollegen war dann leider nur kurz. Die Geschichten waren noch nicht einmal richtig ausgeschmückt, schon wollte der erste den Videobeweis. Und der ging gründlich schief: Dieses Video kann leider nicht abgespielt werden – oder ich hatte mehr Störungen und Artefakte als Bild.

Video Freunden und Familie am PC zeigen: VLC Player, Windows 7

Video Freunden und Familie am PC zeigen: VLC Player, Windows 7

 

Das gleiche Video per Smartphone: VLC-Player, Android-Smartphone 4.0

Das gleiche Video per Smartphone: VLC-Player, Android-Smartphone 4.0

Tipps gegen den Vorführeffekt

Ursache für Bildstörungen nach der Übertragung des Videos sind ungünstige Datei-Formate und falsche Einstellungen beim Komprimieren. Es gibt mittlerweile eine unüberschaubare Vielzahl an Smartphones, Tablests und anderen Zielgeräten, die Video- und Audiodateien abspielen können. Viele benötigen spezielle Formate. Nur Copy & Paste funktionieren meist nicht. Medienplayer für Android, die meine Original-Videos problemlos beherrschen, hab ich bis heute nicht gefunden. VLC, MX samt allen zusätzlichen Codecs beispielsweise klappen nicht – obwohl ich ein paar der Videos nach jedem Update erneut teste.

Erst konvertieren, dann kopieren

Damit sich ein Video abspielen lässt, muss es also VOR dem Kopieren auf das mobile Device bearbeitet werden. Dies ist im Grunde auch recht einfach und funktioniert bei den meisten Konvertern ähnlich. Je nach Freeware ist eher das Installieren der Programme die eigentliche Herausforderung – möchte man beispielsweise die Toolbar mit Werbe- und Spam-Add-Ons nicht ungefragt im Browser verewigt wissen, oder einen Systemabsturz riskieren… Aber ich hab auch gute Programme getestet, die man günstig kaufen kann, oder durch Spenden unterstützt.

Die wichtigsten Stellschrauben

Format, Kompression, Auflösung und Bitrate: das sind die wichtigsten Stellschrauben, an denen man bei vielen Konvertern Einstellungen vornehmen muss, damit das Ergebnis passt. Wer nicht so recht weiß, was er dabei wählen soll, sollte nach folgendem Schema vorgehen.

1. H.264 Komprimierung wählen und Format beachten

Ohne Komprimierung sind DVDs und Blu-Rays ohnehin viel zu groß für mobile Endgeräte. Dabei reicht das Herunterskalieren der Auflösung (z.B. von HD auf das Zielformat des Endgerätes) meist nicht aus. Am besten wählt ihr fürs komprimieren H.264. Bei gleicher Qualität benötigen H.264-komprimierte Filme etwa halb so viel Speicher wie bei MPEG-2.

Kann das Video trotz Komprimierung nicht wiedergegeben werden, bzw. fehlen Bild oder Ton komplett, dann fehlt dem Videoabspielprogramm mit ziemlicher Sicherheit der passende Codec. Da Video- und Audiosignale immer separat gewandelt werden, ist es durchaus möglich, dass das Abspielgerät den Codec für Audio integriert hat, nicht aber den Codec für das Videoformat. Dann gibt es Ton, aber kein Bild – oder umgekehrt. Die war beispielsweise bei all meinen Videos über MX Player der Fall – Ton aber kein Bild.

Um das zu umgehen, sollte jedes Video, das auf dem Smartphone landet, in ein Format gebracht werden, dessen Codecs der Player auch unterstützt. Welche das sind, findet man in den technischen Daten der Geräte und installierten Player. Oder einfacher: H.264 auch MPEG-4/AVC oder MPEG-4/Part 10, ist ein Video-Codec, den die Player der meisten Android und Apple Endgeräte unterstützen. MPEG AAC Audio ein gängiger Audio-Codec. Das Containerformat, in welchem diese Codecs enthalten sind, ist z.B. die MP4. Empfehlenswerte Codecs beim Windows Phone sind Windows Media Video für Video und Windows Media Audio für Audio. Die Dateiendung dieser Container ist wmv oder asf.

2. Videos maximal in Displayauflösung

Bei Full HD liegt die Auflösung bei 1920 x 1080 Pixel, beim iPod Nano nur bei 320 x 240. Die Auflösung, die auf PC-Monitoren oder HD-Fernsehern ein gutes Bild garantiert, ist für kleine Displays mobiler Endgeräte überdimensioniert. Denn muss ein Gerät mehr Pixel darstellen, wie es auf dem Display zur Verfügung hat, muss der Prozessor die Auflösung der Quelldatei erst herunterrechnen – und das bei laufendem Video. Dieser Prozess benötigt Rechenleistung und macht Bildstörungen wahrscheinlicher. Welche Auflösung fürs Zielgerät möglich ist, findet man in den technischen Daten zum Gerät. Eine höhere Auflösung, wie das Gerät Pixel ausgeben kann, solltet ihr vermeiden – bringt ja auch keinen Mehrwert. Besser: ihr passt es genau an die Displayauflösung an oder bleibt eine Stufe darunter.

3. 2000 kbit/s ist gute Qualität auf kleinen Displays

Ausdruck der Größe eines Videos ist die Bitrate. Sie steht für Datenmenge pro Zeit und wird in Kilobit / Megabit pro Sekunde (kbit/s und mbit/s) angegeben. Eine hohe Bitrate für Video und Audio ist vor allem bei hochauflösenden Bildschirmen und Dolby Surround wunderbar, geht hier doch kein Filmdetail verloren. Sollen die gleichen Filme aber auf mobilen Geräten störungsfrei laufen, sollte sie verringert werden. Ein H.264 komprimiertes Video beispielsweise kommt bei gleicher Qualität (und Auflösung) noch mit der halben Bitrate aus wie dasselbe Video bei einer MPEG-2 Komprimierung. Je leistungsfähiger der Prozessor, desto höher kann die Bitrate sein. Je besser die Komprimierung, desto geringer muss sie sein. Die genaue Anpassung der Bitrate übernimmt zwar der Encoder, hier lassen sich in der Regel aber gewünschte Zielgrößen einstellen. Liegt die Bitrate nach der H.264-Komprimierung in einem Bereich zwischen 500 kbit/s und 2000 kbit/s, ist das für gute Bildqualität auf Smartphones ein vernünftiger und ausreichender Wert. Bei Tablets kann dieser auch etwas höher liegen.

Es geht auch ohne Fachwissen

Um Urlaubsvideos der eigenen Digitalkamera in bestmöglicher Qualität auf Smartphone, Tablet und Co. zu bringen, müssen zuvor eine Reihe von Parametern im Konverter sinnvoll ausgewählt werden. Doch es gibt auch Software, die beim Formate wandeln gleich alle nötigen Einstellungen auf einmal vornimmt – ohne, dass Experten-Kenntnisse im Codec- und Formate-Dschungel nötig sind. Hier wählt der Nutzer anstelle mehrerer Parameter zum Beispiel nur den Namen seines mobilen Gerätes in einer Liste. Hier sind die entscheidenden Parameter (Format, Auflösung, Bitrate etc.) bereits voreingestellt und optimal ausgewählt. Diese Programme empfehle ich allen, die gerne und viel filmen und dann ohne großen Aufwand die Videos mobil ansehen und herzeigen möchten. Fehler beim Konvertieren macht man so keine und kann dann für alle Urlaubsabenteuer den Videobeweis in optimaler Qualität auch auf dem Smartphone liefern.

Ein Programm, was dies leistet, ist beispielsweise der Formatwandler 5. Hier wählt der Nutzer in einer Liste sein Zielgerät und die Software konvertiert die Datei. Auch eine Online-Konvertierung nach Anmeldung ist möglich.

Vergleichsbilder_Screenshot-Bungee (falsches Format)

Falsches Format und falsche Parameter. Das Video wird direkt von der Kamera aufs Smartphone gezogen. Typische Bildstörungen beim Abspielen.

 

Dasselbe Video nach Anpassung von Format, Auflösung und Bitrate.

Dasselbe Video nach Anpassung von Format, Auflösung und Bitrate.

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